Margo Schäfer

Margo Schäfers Malerei ist jung, unerschrocken und überraschend. Ihre stark gestische Malerei ist mehr als nur ein Gestus, darin vibriert eine Kraft und die Neugierde sich Themen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern. Meist tut dies die Künstlerin, die ursprünglich Bühnen- und Kostümbild studierte und sich seit einigen Jahren vermehrt der Malerei widmet, mit einer Draufsichtperspektive und in narrativen Bildfeldern die sie miteinander kombiniert.

Das Hauptthema in Margo`s  Malerei ist der Mensch sowohl in seiner Präsenz, als auch in seiner Abwesenheit in Spuren wie Kleidung und Sprache. Dabei inszeniert die Künstlerin die vielfältigen Beziehungen in denen wir zu einander stehen, mal als Einzel- mal als Familienporträt oder als Begegnung von Freunden und von verschiedenen Lebensaltern.

Uns begegnen in ihrer Malerei oft Szenerien, die an Zirkus. und Theatersituation erinnern. Ihr Blick, ihre Wahrnehmung und auch ihre Bildthemen sind geprägt von ihrer langjährigen Berufserfahrung als Bühnen- und Kostümbildnerin für Theater- und Opernhäuser. Theaterstücke sind tatsächlich der Ausgangspunk zahlreicher ihrer Bildthemen halten Einzug in ihre Malerei.

Weitere Inspirationsquellen sind die eigenen Reisen der Künstlerin, wobei sie gerne Situationen in Szene setzt. Immer wieder dokumentiert sie Szenen, die sie beobachtet hat und bringt sie in einen neuen Kontext. Entweder vom Foto oder aus dem Kopf, nicht abmalend, sondern umsetzend. Die Fotografien sind eine Art Gedankenstütze, der Auslöser.

Was auf den ersten Blick nach fröhlicher Farbigkeit und ganz banalen Alltagsszenen aussieht Handwerker auf der Straße, Frau in den Uffizien entpuppt sich manchmal auf den zweiten Blick als ungewöhnlich Szenerie oder Situation, eben gar nicht mehr alltäglich oder banal. Die Künstlerin öffnet immer wieder eine weitere, geheimnisvolle Erzähl-Ebene, in der ein Hauch von Melancholie mitschwingt und die auch einen durchaus kritischen Blickwinkel auf unser Miteinander öffnen.

Putzkräfte, Straßenarbeiter, Immigranten werden zu den Protagonisten ihrer Motivserien, welchen es darum geht den Geflüchteten ihre Würde wiederzugeben, ihnen ein Gesicht zu verleihen.

In einer Serie von Straßenbildern streets aus den Jahren 2013-2916 evoziert die Künstlerin Atmosphären wie wir sie aus expressionistischen Filmen und Stadtszenerien kennen, eine Gesellschaft gefangen in Anonymität.

Ihre Bilder überzeugen und ziehen den Betrachter durch ihre Doppeldeutigkeit in den Bann, genauso wie ihre kraftvolle und trotzige Malweise, die so gar nicht beschönigend ist. Sie setzt die Dinge in ihrer Malerei um, die sie gesehen hat, die sie beschäftigen und beeindrucken. Dabei arbeitet sie in ihren situativen Bildern mit einem mutigen gestischen, rohen Pinselstrich und einer intensiven Farbigkeit, die Zweidimensionalität des Bildträgers nicht negierend.

Seit 2023 arbeite sie auch vermehrt mit dem Thema Landschaft. Ihre Landschaften sind wild bewegte Stimmungsbilder, die Lust machen in sie einzutauschen. In ihnen arbeitet die Künstlerin mit Ölfarbe, die in manchen Fällen in einem reliefartigen Farbauftrag aus dem Bild herauszuspringen droht und die dreidimensionale Gestalterin in ihr offenbart. In ihren anderen Arbeiten ist eher die Eitempera Malweise vorherrschend.

Eine ganz besondere Stimmung erzeugt sie in den Bildern, in denen sie Schrift mit leeren Hüllen wie Kleidung oder Strumpfhosen kombiniert. Hier wird die sonst fröhliche Bildwirkung zugunsten einer Botschaft aufgeben. Gebrochenes Weiß/Grau geht über in Schwarz, Strumpfhose oder Kleid werden zum eigenständigen Bildsujet. Ihre große Freude am experimentieren, am Bildaufbau ist mit jedem Pinselstrich zu spüren.

Ihre Herangehensweise an die Bildthemen ist keine vorsichtige, sondern eine erforschende. So sind in den letzten 14 Jahren ganz unterschiedliche Motivserien entstanden, wie etwa die Serie in der die Comic Figur Donald Duck immer wieder in allen möglichen Situationen auftaucht, als Referenz an die Pop Art aber auch in der Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist, als Pechvogel.

Und genau diese Dimension macht Margo Schäfers Kunst so spannend, dass sie ganz subtil auch immer die andere Seite der Medaille zeigt. Sie  tritt selbstbewusst und kraftvoll mit ihrer Kunst auf, die Freude am Gestalten ist in den Bildern greifbar. Aber ihre Malerei ist nicht laut, drängt sich nicht auf, sie ist wie die Künstlerin selbst, unprätentiös und sehr präsent. Wenn man der Künstlerin in ihrem Atelierraum in Stuttgart, der auch ein Raum des künstlerischen Dialoges ist, begegnet, findet man sich einer Frau gegenüber, die auf eine langjährige Erfahrung als Gestalterin und Künstlerin zurückblicken kann und die ihr künstlerisches Potential noch lange nicht ausgeschöpft hat. „humanity I love you“ ist auf einem ihrer Selbstporträts zu lesen

©Dr. Katrin Burtschell

Margo Schäfer’s painting is youthful, fearless, and surprising. Her highly gestural work is more than mere gesture; it vibrates with energy and a curiosity to approach subjects from widely varying perspectives.

The artist—who originally studied set and costume design and has increasingly dedicated herself to painting in recent years—often employs a bird’s-eye view, combining narrative pictorial fields within her compositions. The central theme of Margo Schäfer’s work is the human figure—present in the flesh, yet also present through traces such as clothing and language. She stages the diverse relationships that connect us, whether through individual or family portraits, or by depicting encounters between friends or people of different ages.

Her paintings frequently feature scenes reminiscent of the circus or the theater. Her gaze, her perception, and her subject matter are shaped by her extensive professional experience as a set and costume designer for theater and opera houses; indeed, plays often serve as the starting point for her imagery.

The artist also draws inspiration from her own travels, often staging the situations she encounters. She repeatedly documents observed scenes and places them in new contexts—working from photographs or memory, not merely copying, but creatively translating the image. The photographs serve as an aide-mémoire, a catalyst. What initially appears to be a display of cheerful color and mundane everyday scenes—tradesmen on the street, a woman in the Uffizi—often reveals itself upon closer inspection to be an unusual scenario or situation, anything but ordinary or banal. The artist repeatedly opens up further, mysterious narrative layers—tinged with a hint of melancholy—that also offer a decidedly critical perspective on how we interact with one another. Cleaners, road workers, and immigrants become the protagonists of her series, which aim to restore dignity to refugees and give them a face.

In a series of street scenes created between 2013 and 2016, the artist evokes atmospheres reminiscent of Expressionist films and urban cityscapes—depicting a society trapped in anonymity. Margo Schäfer’s paintings captivate the viewer through their ambiguity, as well as through a powerful, defiant style that refuses to sugarcoat reality. She translates into paint the things she has seen—subjects that preoccupy and impress her. In these situational works, she employs bold, raw, gestural brushstrokes and intense color, without denying the two-dimensional nature of the canvas.

Since 2023, she has increasingly focused on landscapes. Her landscapes are dynamic, atmospheric compositions that invite the viewer to immerse themselves in them. She works with oil paint, sometimes applying it in a relief-like manner that seems to make the image leap off the surface, revealing the three-dimensional artist within her. Her other works tend to feature egg tempera. She creates a unique atmosphere in paintings that combine text with empty garments, such as articles of clothing or tights. In these instances, the otherwise cheerful visual effect gives way to a specific message. Off-white and gray transition into black; a pair of tights or a dress becomes a distinct subject in its own right.

Her immense joy in experimentation and composition is palpable in every brushstroke. Her approach to her subjects is not cautious, but exploratory. Over the past 14 years, this has given rise to diverse series of motifs—such as the one featuring the comic-book character Donald Duck, who appears in a multitude of situations; this serves as both a nod to Pop Art and a reflection of the role that fits him like a glove: that of the hapless underdog. It is precisely this dimension that makes Margo Schäfer’s art so compelling: the way it subtly reveals the other side of the coin.

Margo Schäfer presents her art with confidence and vigor; the joy of creation is tangible in her paintings. Yet her work is neither loud nor intrusive; like the artist herself, it is unpretentious yet possesses a strong presence. Meeting the artist in her Stuttgart studio—a space that also fosters artistic dialogue—one encounters a woman who draws on years of experience as a designer and artist, and whose artistic potential is far from exhausted. The words „humanity I love you“ appear on one of her self-portraits.

© Dr. Katrin Burtschell